Laurent Stalder, Georg Vrachliotis, Jürg Graser

NZZ, 5. November 2011

Ein­fachheit und Klarheit

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Dennoch verweist die Bezeichnung «Schule» auf Verbindendes: das gemeinsame Interesse für Vorfabrikation und Standardisierung von Bauprozessen, den hohen Qualitätsanspruch im konstruktiven Detail sowie das unermüdliche Einstehen für die moderne Architektur in der Öffentlichkeit. Die Ortsbezeichnung ist auch insofern angemessen, als sie die eher periphere Lage von Solothurn gegenüber den beiden Zentren Zürich und Lausanne mit ihren technischen Hochschulen betont, die damals die architektonische Deutungshoheit für sich in Anspruch nahmen und es heute noch tun. Gleichzeitig ist diese Zwischenlage mit ein Grund für den von Franz Füeg immer wieder beschworenen Geist des Widerspruchs. In Zürich hätte den fünf die Luft zu atmen, wie sie es für richtig hielten, möglicherweise gefehlt. Bereits mit seinen ersten Bauten, dem Einfamilienhaus Aerny in Feldbrunnen (1954–55), dem Haus für einen Musiker in Solothurn (1955–56) oder dem Haus Portmann in Hessigkofen (1962–64), findet Franz Füeg weit herum Beachtung. Mit dem Gewinn der Wettbewerbe für die Schule in Kleinlützel (1957–61), für die wissenschaftlichen Institute der Universität Freiburg (1960–68) und vor allem für die katholische Kirche in Meggen (1960–66) etabliert Füeg ab den sechziger Jahren endgültig seinen internationalen Ruf als ein führender Vertreter einer dem rationalistischen Erbe der Moderne – von Auguste Perret über Ludwig Mies van der Rohe bis hin zu Konrad Wachsmann - verpflichteten Bewegung in der Schweiz.