Jürg Graser

TEC21, 2009, Nr. 5

Neu­in­ter­pre­ta­tion

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Zu den architektonischen Merkmalen, die das Sälischulhaus über vergleichbare Schulen der Zeit hinaushebt, gehören die Stauchung und Ausdehnung des Aussenraumes zwischen den drei Baukörpern, die Pragmatik des Skelettbaus mit Ausfachung und Vorhanghangfassade sowie die konstruktive Umsetzung der durchsichtigen Aussenwand. Am bemerkenswertesten erscheint aus heutiger Sicht dieser letzte Punkt. Knapp zusammengefasst verlief die Entwicklung der Leichtbaufassaden mit Glasfüllungen seit dem Zweiten Weltkrieg in drei Etappen: Auf die vollständig vom Architekten gezeichnete Lösung mit objektspezifischen Teilen folgten Halbfabrikate mit ergänzenden Bauteilen und schliesslich die heute übliche Vorhangfassade aus von der Bauindustrie bereitgestellten Fassadenkomponenten mit Prüfzeugnis. Die Glashaut des Sälischulshauses gehört noch in die erste Kategorie. Die nicht wärmegedämmte objektspezifische Fassade besteht aus Aluminium-Strangpressprofilen, Einfachscheiben und aussen liegenden Rafflamellenstoren. In Anbetracht des schweizerischen und europäischen Normenwerks und der inzwischen gängigen Produkthaftung erscheint die Lösung von Alfons Barth und Hans Zaugg aus heutiger Sicht als in höchstem Mass souverän, umso mehr, als sie ihren Dienst offensichtlich während vier Jahrzehnten klaglos und weitgehend wartungsfrei versah.